Bringing dreams to reality in Tôkyô  
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Fussball in Japan

Weltmeisterliche Atmosphäre auf unterem Zweitliga-Niveau

Bisher habe ich mir zwei Spiele gegönnt in japanischen Stadien. Als erstes wäre da Gamba Osaka zu erwähnen, die ich im Chiba-Stadion gesehen habe. Das war ja auch ein sehr langer Traum, meine Mannschaft mal live zu sehen. Als ich das Stadion betrat, dachte ich die WM würde in Japan immer noch stattfinden. Ich war einfach überwältigt. Die Stimmung war super - eine riesige Feier! Alle haben mitgemacht und mitgesungen, geklatscht und geschrieen. Ich fands super - bis ich merkte, dass sich die Stimmung das ganze Spiel nie änderte. Man muss sich das so vorstellen: Da gibt´s einen Star - ein Brasilianer wohlgemerkt - der weniger als 16 Meter vorm Tor den Ball mehr als nur einmal gen Himmel hämmert, wobei man eher sagen müsste "schubst". Eine Kerze also. Erstens als Brasilianer geht sowas schon mal gar nicht. Und zweitens so knapp vorm Tor. Aber die Fans sind dann die allerfeinsten: brüllen und feiern ihn, als hätte er gerade das goldene Tor in der letzten Minute der Verlängerung eines WM-Finals geschossen. Ich dachte mir, kann ja mal passieren, aber ich musste dann doch sehr bald feststellen, dass die Fans eigentlich eher nicht unbedingt um des Fussballs willen ins Stadion gehen, sondern eher, weils abseits von Disco etc. eine tolle Gelegenheit zum Feiern ist, um mal so richtig rumzubrüllen. Den Gedanken an sich find ich toll - nur dürften ein paar spielbezogene Emotionen schon auch sein. Wenn ein Spieler bei jeder Kerze zum Himmel gelobt wird, dann gehen die doch nach einem Scheißspiel mit breiter Brust heim. Sich bissl ärgern sollte man auch können, dass macht doch gerade die spannende Atmosphäre aus! Weiterhin war ich bissl enttäuscht über die Art und Weise, wie die Fans von Gamba Osaka (der Club, der Panasonic gehört - mein Club also) ihre Mannschaft anfeuern. Das ist schon ganz großer Kindergartenstil. Das klingt schon wie ein Kinderchor. Egal, die Stimmung passt.

Das zweite Spiel war dann in Tôkyô beim F.C. Tôkyô im Ajinomoto-WM-Stadion "unweit" (für tokyoter Verhältnisse) von uns (Shinjuku) entfernt. Das war schon ein ganz anderes Kaliber. Supertolles Stadion, das auch der Allianz-Arena in nichts nachsteht, und auch "erwachsenere" Fans. Jeder Club scheint in Japan ein Vorbild aus dem Ausland zu haben, dem auch die Fans huldigen. Bei FC Tôkyô ist es Spanien, bei Gamba Italien. Die Fans vom FC Tôkyô waren da schon eher mein Geschmack. Und als ich dann auch noch neben mir Gratisposter fand, auf dem ich einen Spieler erkannte, den ich sehr gut kenne, aber mir nicht einfiel, wer es denn ist, versuchte ich mal den Namen des Spielers in japanischer Schrift auf der Anzeigetafel zu entziffern. Ich brauchte bissl, aber als ichs rausfand, war mein zweiter Lieblingsclub geboren. Es war Paulo Wanchope, einer meiner allerbesten Lieblingsspieler aus Costa Rica, der, dem ich in Deutschland bei der WM die Hand geschüttelt und von dem ich ein Autogramm bekommen habe und derselbe, der gegen uns im WM-Eröffnungsspiel in Deutschland 2 Tore gegen uns gemacht hat. Er! In Tôkyô! Kann nicht sein, dachte ich. Sogar die Fans schreien im Chor seinen Namen! Ja, das ist Fussball!! Am Wochenende ist Topspiel gegen Nagoya Grampus Eight, der Club, mit dem Guido Buchwald letzte Saison Meister geworden ist. Da bin ich bei gutem Wetter auf jeden Fall dabei! Und weils so schön ist, werd ich für die wenigen Interessierten auch die Ergebnisse hier reinstellen.