Erwartungen bei weitem Übertroffen
Hätte mir bis jetzt ein Erwachsener davon erzählt, dass Disneyland seine Fantasie wiedererweckt hätte, hätte ich ihn wahrscheinlich nur dumm angeschaut. Nie hätte ich mir vorstellen können, was man hier für einen Spaß haben kann. An einem einfach wundervollen sonnigen Februartag machten wir uns auf ins Tôkyô Disney Resort, vom Tôkyô Bahnhof aus nicht weiter als 15 Minuten mit dem Zug und auch für nicht mehr als einem knappen 1,5 Euro, also sehr zentral und leicht zu erreichen mit wenig finanziellem Aufwand. Dort angekommen wurde ich erstmal überrascht von der Freundlichkeit der Mitarbeiter, die aber irgendwie anders freundlich waren als freundliche Japaner. Schnell bemerkte ich, dass hier wohl versucht wurde, eine Art von genereller ich sage mal "amerikanischer Freundlichkeit" rüberzubringen, welche die Leute anstecken soll. Man versucht offensichtlich mit allen Mitteln, den Leuten einen fröhlichen Tag zu vermitteln. Das Besondere daran ist: es funktioniert! Nun kennen mich ja einige als nicht gerade den Verfechter der amerikanischen Mentalität, aber sogar mir konnte man die "gespielte Leichtmut" aufdrücken, was soviel heißt wie die Leute verstehen ihr Handwerk. Und tatsächlich, wo man auch hinkam, man sah weit und breit nur winkende, lachende und fröhliche Leute (und dabei rede ich nicht einmal von Kindern). Wir hatten, wie auf den Bildern ersichtlich jede Menge Spaß und es gab viel zu sehen für gerade mal 30 Euro (Winter special, im Sommer sinds dann 36 Euro) von früh bis abend. Es gibt eine Western Stadt, Abenteuerland, Tomorrowland, das Schloss und 2 weitere auf die Comicfiguren Disneys abzielende Teile des Gebietes. Nun steht Tôkyô Disney überall im Ruf für eine Attraktion stundenlang anstehen zu müssen, aber dank eines ausgeklügelten Systems der Anlage war die keineswegs der Fall. Mit max. 30 Minuten Wartezeit (und auch nur manchmal und wenn dann sehr kurzweilig) konnte man seine Sachen ziemlich bequem sehen. Was mich verwunderte ja verblüffte war, dass so gut wie sämtliche Dinge hier nicht irgendwelch billiger shit oder halbherzig angelegte Rundfahrten alter Käne sind (wie gewohnt oder gesehen anderswo in ähnlichen Freizeitparks), sondern wirklich qualitativ hochwertig und durchdachte events, die echt mitreissen. So war die "Pirates of the Caribbean" -Rundfahrt vollständig im Innern (wie das Meiste) vorbei an einem (echten) Restaurant in einem Flair, wie ich es nur aus Filmen kenne. Man zauberte in diese Halle einen tatsächlich echt wirkenden Nachthimmel mit quakenden Fröschen, zirpenden Grillen und zwitschenden Vögeln. Was auch überlegt gemacht wurde bei Disney ist, dass der ökonomische Netzwerkeffekt voll ausgenutzt wird. So konnten die Schiffsfahrer die Leute im Restaurant als Teil der Attraktion bewundern (wie hatten echt lange überlegt, ob die Leute wirklich echt waren) und die Leute im Restaurant konnten bei hellichtem Tage ein romantisches Essen unter Abendhimmel mitsamt Booten genießen. Einfach toll! Und ja, ich mag gute Produkte, daher bin ich auch hiervon sehr angetan. Wie bereits gesagt, die amerikanisch-gezwungene Happyness kam an! Was mir auch eindrucksvoll in Erinnerung geblieben ist, sind die Preise. Wieder einmal kam ich mir zu keiner Zeit über den Tisch gezogen oder (so wie Touristen normal) abgezockt vor. Die Preise für Essen, Trinken oder Souvenirs sind in der Tat vernünftig (bis auf kleine Ausnahmen) und auch für Studenten bezahlbar. Preis-Leistung also rundherum TOP! Weiteres Beispiel war eine Mütze (wenn man es so bezeichnen kann) in Gestalt des blauen Monsters aus dem Film "Monster AG", die einfach perfekt verarbeitet ist. So groß und wirklich toll gemacht --> für 12 Euro mehr als sein Geld wert (zu sehen auf den Fotos ziemlich am Ende). Ich hab sie mir mal mitgenommen. Das war echt mal ein schönes Gefühl, sein Geld für "Mist", "Rotz" oder mit anderen Worten für Dinge auszugeben, die nicht unbedingt zum täglichen Bedarf zum Leben gehören. Hatte ich fast schon vergessen, wie sich´s anfühlt ;) Der Plan ist natürlich (ein Waseda-Student sollte immer einen Plan haben!) diese dann in Europa beim Skifahren zu gebrauchen, sowas hatte ich schon lange gesucht hohoho. Auch die ganzen Attraktionen waren echt "Ihr Geld wert" und machten total Spaß. Von Wildwasser-Rafting über Cruisen im Nachthimmel per Achterbahn oder einfach eine Reise durch das Land von Winnie Puh übten auch auf Erwachsene irgendwie einen besonderen Zauber aus und regten die Fantasie gewaltig an. Am Abend dann gabs noch eine Cinderella-Story-Aufführung am Schloss mit total schön beleuchtetem Areal. Auch hier wieder kaufte man dem Ganzen (natürlich aus Plastik gestaltetem) seine "Echtheit" ab. Bestes Beispiel sind (wie auf den letzten Fotos leider unscharf ersichtlich, aber zur Vorstellung des Ganzen reichts ja) die beleuchteten Balken im Schlosspark, die einfache Plastik sind, aber eben so cool bestrahlt, dass man nie auf die Idee käme, dass sie nicht aus Metall wären. Wirklich, hier wurde ganze Arbeit geleistet und man merkt auch, dass das Geld der Besucher (freilich nur zu einem bestimmten Teil) auch wieder hierhin zurückfließt und invesitert wird! Normalerweise findet dann auch am Abend noch ein Paradezug statt mit cooler Beleuchtung und ein Feuerwerk, was aber leider gestern ausfallen musste (der Paradezug wahrscheinlich wg. zu großer Kälte (eben Winter-special) und das Feuerwerk wg. unbeständigem Wetter. Das machte uns aber absolut nix im geringsten aus, ein triftiger Grund dafür davon auszugehen, dass unsere Zahlungsbereitschaft durchs Gesehene bei weitem bereits übertroffen war.
Ich persönlich kann dieses Erlebnis einfach nur jedem empfehlen, der dazu in der Lage ist, mal hierher zu kommen. Und ich muss meine Einstellung bzw Voreingenommenheit zur angenommenen amerikanischen unechten Mentalität und Abzocke an allen Ecken ernsthaft überdenken. Is ja auch mal was wert, durch solche Erfahrungen seinen Kulturimpressionen eine neue Richtung zu verleihen. |