Kinosaki-Onsen und Takeno-Beach
Das war schon ein ganz besonderes Vergnügen. Nach der Fahrt im Nozomi 500 series und sekundengenauer Einfahrt nach ca. 580 Streckenkilometern in Kyôto nach 2h20 Minuten und 3 Stopps in Shinagawa, Yokohama und Nagoya (ergibt die schon seit jeher berühmte und enorm wichtige Handelsroute Tôkaidô - weitere wichtige Route bildet der Tôzandô) hatte ich dann nun endgültig begriffen, was ein Schnellzug leisten muss und warum es der ICE nicht sein kann. Man knallt wie im Flugzeug durch die Prärie verbunden mit hervorragendem Service des gesamten Personals - das ist das Geld doch wirklich wert. Nach der Ankunft in Kyôto gings mit dem Bummelzug weiter nach Kinosaki-Onsen einem sehr bekannten Erholungsort Westjapans. Das heißt, es findet sich eine traditionelle Straße, an der etliche kleine Läden und Restaurants gelegen sind und ab und an sticht das schöne Haus eines der Onsen hervor. Jeder Onsen hat eine bestimmte Thematik. So gibt es zB den Mandala Onsen, der an einen buddhistischen Tempel erinnert. Andere schließen sich einer Storchenlegende an, andere werden dem Ruf gerecht, früher oft vom Kaiser besucht worden zu sein. Das wunderbare an Kinosaki ist aber, dass man in einem Hotel in dieser Straße übernachtet und dann im Yukata und Geta quer durch den ganzen kleinen Ort in eines der Onsen geht. Das ist ein tolles Gefühl, wohl wie im alten Japan. Dabei hat man dann beim gebuchten Hotel schon den Eintritt für alle Onsen mit drin - egal wie oft! Das lindert die anfänglichen Bedenken etwas, denn die Hotels sind hier wirklich nicht gerade billig! Sollte man ohne gebuchtes Hotel anreisen oder sich auf Durchreise oder Tagestrip befinden, kostet der Eintritt jedesmal ca. 600 Yen, was ca. 4 Euro entspricht. Auch noch akzeptabel, denn mehr als 3 Onsenbesuche schafft man am Tag eh nicht, auch vom Kreislauf her gesehen. Und die Onsen sind wirklich einmalig hier!
Wir hatten ein eher billigeres Hotel, was zur japanischen Bahngesellschaft JR gehört und daher auch vom Aussehen nicht allzu viel hermachte. Das traditionell gehaltene Abendessen auf dem Zimmer aber war hier ziemlich gut und hat uns überrascht. Beim Blick aus dem Zimmer in Richtung angenzenden Wald (siehe Fotos) kann man denke ich schnell nachvollziehen, warum die Japaner die Berge/Wälder seit jeher als düster und eher gefährlich betrachteten und sich daher auch zahlreiche Sagen und Mythen diesbezüglich bildeten, ist der japanische Wald doch um ein Vieles unzugänglicher als hierzulande.
Die Quellen in Kinosaki sind ziemlich heiß, um die 50°C. Jeder dieser Onsen hat ein Rotenburo (Freiluft-Onsen) im Hintergarten, was für mich eines der schönsten Dinge der japanischen Kultur überhaupt ist. Bei der Gestaltung der Rotenburo gibt es auch Unterschiede. So kann man das Gefühl genießen in einer Höhle zu baden oder im Regenwald. Sollte man erlebt haben!
Danach hatte ich das erste Mal die Gelegenheit, im japanischen Meer zu baden in Takeno-beach, mit dem Zug von Kinosaki nur 10 Minuten entfernt. Das japanische Meer ist in etwa vergleichbar mit der Ostsee oder Nordsee, wobei das Wasser vielleicht etwas wärmer ist als im Norden Deutschlands. Die Umgebung unterscheidet sich aber gewaltig, denn man ist in Japan so gut wie immer gleich von (nicht allzu hohen) Bergen umgeben. Auf jeden Fall aber sehr angenehm zum Baden. Leider aber kommt am japanischen Strand kein von unsereins geschätztes Urlaubsfeeling auf, denn die Japaner sehen das ganze eher als Partyvergügen und so geht es auch einher. Nicht unbedingt, was Ballermann betrifft, aber einfach zu belebt, um auf die Idee zu kommen, man wäre an nem ruhigen Strand in der Karibik... |