Bringing dreams to reality in Tôkyô  
  HOME ::
TOP
 
   
 
Reisebericht Präfektur Shiga

 

Die Präfektur Shiga mit Sitz der Präfekturverwaltung in Ôtsu am Biwa-See, dem größten Trinkwassersee Japans, besitzt zahlreiche ebenso wunderschöne wie historisch bedeutende Sehenswürdigkeiten. Meine Reise führte mich erst an den Biwa-See, an dem ich das atmosphärisch sehr interessante Tempelgelände des Ishiyama-dera besichtigte als auch den etwas versteckten, hinter der berühmten Seta-no-karahashi-Brücke gelegenen Takebe-taisha. Der Ishiyama-dera ist das Hauptquartier der buddhistischen Shingon-Sekte und der 13.Tempel der Saigoku-Wallfahrt. Wichtiges kulturelles Erbe ist das Bergtor Sanmon oder auch östliches Haupttor Tôdaimon und wurde vor 750 Jahren durch Minamoto no Yoritomo errichtet. Es bildet ein Paar mit dem Nishi Ômon (westliches Haupttor). Die Statuen an beiden Seiten des Eingangs stellen Deva-Könige dar und sind Werke von Tankei und Unkei, zweier berühmter japanischer Bildhauer der Kamakura-Zeit (1185-1333). Der Schatzturm (Nationalschatz Japans) wurde ebenfalls von Minamoto no Yoritomo errichtet. Er ist von allen Schatztürmen Japans der älteste und zugleich schönste und wird als Symbol für 4-Yen-Briefmarken verwendet. Der Dainichi-Buddha wird hier aufbewahrt. Besonders bei Nacht muss der Turm ein hervorragendes Bild abgeben, was ich leider nicht erleben konnte. Auch im Tempel befindlich ist ein Zimmer, von dem man sagt, Murasaki Shikibu habe hier ihre Geschichte über den Prinzen Genji im Vollmondlicht des August 1004 verfasst. Seither ist diese als "Genji monogatari" überaus berühmt.

Der Tempel selbst ist gelegen am südlichen Ende des Biwa-Sees und bildet mit dem Flussufer des Seta-Flusses und dem Berg Garan, an dessen Fuße er gelegen ist, eine wunderschöne Einheit. Ich hatte das Glück an einem Tag hier zu sein, an dem besseres Sommerwetter hätte nicht sein können, was mir den Blick auf tolle Lichtspiele im Tempelgelände erlaubte. Mitten unter unzähligen uralten Bäumen, die vor der wirklich unglaublichen Hitze des japanischen Sommers wohltuenden Schatten spenden, kann man im Tempelgelände allerhand traditionelle Tempelgebäude erkunden und im Einklang mit der Natur die meiner Meinung nach schon besondere Atmosphäre des Ishiyama-dera genießen.

Unweit vom Ishiyama-dera (ca. 2 km nördlich Richtung Ôtsu) befindet sich die Brücke "Seta no karahashi", die besonders bekannt für ihre Lage ist, die besonders bei Sonnenuntergängen hervorsticht. Überquert man diese, gelangt man alsbald an den Takebe-Taisha, einen eher unauffälligen, dafür aber eher unberührten und historisch bedeutsamen Schrein, denn Minamoto no Yoritomo hatte damals hier vor wichtigen Schlachten um Glück im Kampf bei den Göttern gebetet. Meiner Meinung nach auf jedenfall den Fussmarsch wert.

The Great Biwa Lake Fireworks Display

Am Abend meiner Ôtsu-Reise dann erwartete mich ein Spektakel der ganz besonderen Art, das sich dann als eines meiner schönsten Erlebnisse überhaupt herausstellen sollte. Die Rede ist vom "Großen Biwa-See-Feuerwerk", das alljährlich einmal im August stattfindet. Ich habe ja nun im Laufe meines Lebens allerhand Feuerwerke gesehen, aber das stellte bei weitem alles bisher gesehene in den Schatten. Ich hatte das große Glück, von einem Bekannten ein Ticket für einen Sitzplatz am Hafen (wo das Feuerwerk stattfand) zu bekommen. Die Szene war einfach wunderschön, direkt am Hafen zu sitzen mit Blick auf den See, in dem drei permanente Wasserföntänen errichtet sind, die am Abend beleuchtet werden und ständig sowohl Farbe als auch Form verändern. Dann ging´s los. Das Feuerwerk war so unglaublich nah und groß, dass man meinte, man könnte es anfassen. Das Biwa-See Feuerwerk ist bekannt für seine besonders großen Feuerwerkskörper, die dann auch dementsprechend krachten und vom sofort durch die direkt hinter uns gelegenen Hotels von Ôtsu zurückgeworfenen Echo einen Sound erzeugten, dass einem die Haare zu Berge standen. Die Raketen waren einfach so schön, dass man sie mit Worten gar nicht beschreiben kann. Es waren Raketen dabei, die Formen hatten, von denen ich mir nicht einmal vorstellen konnte, dass sie existieren könnten. So sah man Herzen, Smileys und allerhand anderer bemerkenswerter Formen. Das ganze Spektakel dauerte eine geschlagene Stunde und das ganze Prozedere war als Schauspiel mit mehreren Episoden aufgezogen. Als Abschluss dann wurden die Niagara-Fälle dargestellt, ein enorm tiefes, dafür aber wahnsinnig breites Feuerwerk, was zusammen mit den beleuchteten Fontänen einfach nur gigantisch wirkte. Es sei jedem Japanreisenden, der sich im August in hier befindet, dringend geraten, dieses auch in Japan einmalige Schauspiel zu sehen, das für die meiner Meinung nach geringe Eintrittgebühr von ca. 20 Euro (natürlich nur die Sitzplatzregion) eine unvergessliche Erinnerung bietet. Auch rate ich davon ab, sich ohne Ticket dahin zu begeben, denn außerhalb der abgegrenzten Sitzplatzareale herrscht Menschenchaos hoch fünfundzwanzig und auch muss man die Show dann von etwas größerer Entfernung betrachten, weshalb das Ganze dann an Reiz verlieren dürfte.

Jedem Interessierten sei gesagt, dass ich versucht habe, trotz der bescheidenen Lichtverhältnisse ein paar Fotos zu machen. Ein paar davon sind mir relativ gut gelungen und zeigen eindrucksvoll, wovon hier die Rede ist.

Alles in allem war auch für mich überraschend, wieviel Ôtsu doch zu bieten hat und rate jedem kulturell Interessierten, diese schöne und historsich bedeutende Umgebung mit ihrem eigenen Flair nicht zu verpassen.

Weiter nördlich am Biwa-See befindet sich die Stadt Hikone, die berühmt für ihr bekanntes Schloss ist, sowie den Ort Azuchi, der im 17.Jahrhundert unter dem Kriegsherren Oda Nobunaga seine Blüte hatte. Zu Ehren der Geschichte findet noch heute im März (für 2008 ist der 6.März geplant) eine Samurai-Parade statt, ganz nach ihrem Vorbild zu Zeiten Nobunagas. Dort werde ich mit allergrößter Sicherheit dabei sein, weiß ich doch, dass es Nobunaga war, ohne den die beiden Nachfolger Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu es nicht vollbringen hätten können, das Land nur wenige Jahre nach Nobunaga´s Tod zu einen.

 

Berg Hiei und Enryakuji-Tempel

Report folgt in den nächsten Tagen