Nachdem ich die Hauptschule endlich hinter mich gebracht hatte begann ich eine berufliche Ausbildung zum Energieelektroniker in Regensburg, die mich jedoch keineswegs viel klüger oder erfahrender machte als ich vorher war. Dies lag z.T. auch an völlig demotivierten Ausbildern bzw. Arbeitern, die zwar das Recht, jedoch nicht die Fähigkeit hatten, einen Lehrling auszubilden. Glücklicherweise durfte ich dann die letzten 4 Wochen vor der Gesellenprüfung im Ausbildungszentrum bei BMW AG Regensburg verbingen, die mich nach 3 Jahren endlich auf den Stand brachten, die Prüfung gut bestehen zu können. Klingt zwar komisch, ist aber so gewesen.
Jedenfalls bemerkte ich zu jener Zeit meine Vorliebe für Reisen und bildete mir ein, auch mal nach Asien zu müssen. Es versteht sich fast von selbst, dass Japan am verlockendsten von allen asiatischen Ländern erschien, schon allein vom kulturellen Standpunkt her betrachtet. Ich fand immer faszinierend, wie selbstverständlich damals schon Technik und Elektronik ins tägliche Leben integriert wurde. Ich sah aber damals schon ein, dass es eigentlich schwierig ist, in Japan so ganz ohne Fremdsprachenkenntnisse durchzukommen. So begann ich noch während meiner Ausbildung, an der Volkshochschule japanisch zu lernen. Das Vorhaben war anfangs auf lediglich ein Semester angelegt, jedoch zog mich die Sprache sofort in den Bann, da durch den hervorragenden Unterricht meiner Lehrerin auch jede Menge Kultur und Einstellungen der Japaner vermittelt wurden.
In der Zwischenzeit fand ich über eine Zeitarbeitsfirma Anstellung bei Firma ITTS in Neutraubling, wo es mir gelang, das Vertrauen des Personals zu bekommen und bereits vier Wochen später hielt ich einen festen Vertrag in Händen. Wir fertigten dort Lebensdauersimulationsanlagen für einen großen Elektronikkonzern in Regensburg.
Mit der Zeit bemerkte ich, wie relativ gut sich meine japanische Sprache entwickelte und wie viel Spaß es mir machte, sie anzuwenden. Dabei fiel mir auf, dass sich meine Vokabelkenntnisse auch ohne allzu großen Lernaufwand rapide vergrößerten. Bei weiterer Reflexion ersann ich mich an die Schulzeit, in der ich auch Englisch mit großem Spaß und wenig Aufwand zu lernen vermochte. Schließlich bildete ich mir ein, etwas aus der "Begabung" machen zu müssen und verließ nach meinem Zivildienst an der Uniklinik Regensburg im Bereich Verwaltung meine Firma und versuchte in meinem jugendlichen Leichtsinn mein Glück mit der Eintrittsprüfung zur Vorstufe der BOS Regensburg Fachrichtung Sozialwesen, die ich knapp bestand. Somit eröffnete sich die ungeahnte Chance, vielleicht irgendwann sogar japanisch zu studieren.
Nach einem für damalige Verhältnisse anspruchsvollen Vorstufenjahr an der BOS Regensburg wechselte ich nach München zu meiner Tomo und schlug mich zwei weitere Jahre an der BOS durch, die ich schließlich mit allgemeinem Abitur abschließen konnte. Unglaublicherweise wurde ich im 12. Jahr sogar Klassenbester. Wenngleich das nicht ausschließt, dass ich damals wie auch heute nicht die Spur von Latein verstanden habe... ;)
Somit war die erste Etappe des neu eingeschlagenen Weges perfekt und ich konnte endlich an der LMU in München Japanologie studieren in Kombination mit den Nebenfächern Volkswirtschaft und Sinologie (Chinesisch). Gott sei Dank besuchte damals der Herr Japanvorstand Koizumi den außenpolitisch sehr heiklen Yasukuni-Schrein, an dem ja die Kriegshelden noch heute gewürdigt werden, woraufhin die Chinesen in ihrem kleinen Land vollkommen durchdrehten und Randale gegen japanische Firmen machten. Da ich nebenbei auch im ersten Semester Sinologie schon bemerkte, dass man diese "Sprache" unmöglich als "Barbar des Westens" lernen kann, nahm ich die aktuellen Gegebenheiten als Anlass und bließ mir den chinesischen Wind gleich wieder aus dem Kopf, was mir wohl unzählige Hin- und Hergerissenheiten in der Zukunft ersparen wird. Somit wechselte ich mein zweites Nebenfach nach Wirtschaftsgeographie (WiGeo) - mit Japanologie und VWL eine Kombination, die auch heute noch Bestand hat. Da aber WiGeo ebenso wie VWL ein naturwissenschaftliches Fach ist stand ich aber vor einem kleinen Problem, da Japanologie eine Geisteswissenschaft ist und im Rahmen solch eines Studienganges nur ein nicht-geisteswissenschaftliches Fach erlaubt ist. Also machte ich mich auf, eine Sondergenehmigung beim Magisterstudienamt der LMU zu beantragen, wobei mir dies dank meiner Kenntnisse, wie man schriftlich am besten den Kriegsdienst verweigert, ohne größere Probleme glücklicherweise gelang. VWL begann mit einer sehr interessanten Veranstaltung "Einführung in die VWL", die ich auch mit 1,0 abschließen konnte. Aber schon in den nächsten Veranstaltungen "Mikroökonomie" und "Makroökonomie" bekam ich die ersten Grenzen aufgezeigt, denn dort lernte ich, dass es zwar super ist, wenn man die wirtschaftlichen Theorien kennt und auch versteht, aber leider ohne Rechnungen hier nicht allzu viel geht. Eine Hürde, die ich bis heute nicht überwinden konnte oder besser gesagt auch noch nicht die Zeit hatte, dies zu versuchen, denn Japanologie nahm mich bisher mehr in Anspruch, als ich dies je gedacht hätte (was natürlich nur an mir selber lag, da ich sehr große Emphase auf ein Fortkommen in der Japanologie legte, mit dem Ziel eines Tages meinen Traum zu verwirklichen, an der Waseda studieren zu können).
Fortsetzung folgt...
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